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The daily hazards of life

Der Praktikant des Grauens

Jedes Jahr im Sommer ist es wieder soweit: die Ferialpraktikanten-Saison bricht an. Und mit ihr das Grauen.

Seit nunmehr fünf Jahren wiederholt sich Sommer für Sommer das gleiche Schauspiel. Kurz vor den Sommerferien erhalte ich plötzlich aus den oberen Etagen diverse Lebensläufe junger, vermeintlich aufstrebender Menschen, die ein Praktikum bei uns absolvieren möchten. Da ist ja an sich legitim. Hab ich als Teenager (und sogar als Twen) auch gemacht und kann grundsätzlich im Lebenslauf nicht schaden. Ich hätte auch durchaus sinnvolle Aufgaben zu vergeben. Wenn da nicht dieses Problem mit den jungen Menschen wäre.

Ich weiß, ich höre mich wie eine dieser alten Frauen an, bei denen ich immer die Augen verdrehen muss, wenn sie sagen, dass früher ja alles besser war. Aber ich brauche jetzt einfach mal Feedback zu dieser Misere. Sind wirklich alle Jugendlichen heutzutage so unmotiviert, unambitioniert, schlecht erzogen und blöd oder landen die einfach nur alle bei mir?

Unlängst z.B. stelle ich meinem derzeitigen Exemplar eine einfache Einstiegsfrage: „Was hast du denn an deinem ersten Tag bei uns über unsere Abteilung und unser Unternehmen gelernt?“ Es (mit ausdruckslosem Gesicht, fast so als wäre es innerlich tot): „Äh, weiß nicht mehr, kann mich nicht so genau erinnern.“ Gefolgt von Schweigen (meines fassungslos, seines teilnahmslos).

Bitte was genau soll ich mit dieser Antwort anfangen? Und was soll ich mit diesem Praktikanten-Exemplar anfangen? Ich entschied mich: geben wir dem Exemplar eine zweite Chance, lassen wir es etwas einfaches, aber sinnvolles tun. Eine postalische Aussendung vorbereiten, zum Beispiel. Zu tun: einen Brief falten, in ein Kuvert stecken, ein Adressetikett an die richtige Stelle kleben, fertig. Ich hab dem Exemplar sogar ein Beispiel gebastelt, wie das ganze aussehen soll. Was macht es: den Brief falten, allerdings so, dass man nicht mehr vermuten würde, dass es sich jemals um ein rechteckiges, geometrisch gleichförmiges Blatt Papier gehandelt hätte; und das Adressetikett an die einzige Stelle auf dem Kuvert kleben, wo es nicht platziert sein darf. Punktlandung.

Danach entschied ich: das Exemplar und ich, wir passen einfach nicht zusammen. Es darf jetzt in einer anderen Abteilung sein Unwesen treiben, ich bin aber relativ sicher, dass mich noch diesen Sommer ein würdiger Nachfolger des Praktikanten des Grauens heimsuchen wird.

Beitragsbild via Pinterest

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1 Comment

  • Reply kundentests.com August 5, 2015 at 5:39 am

    Ich muss dir zustimmen, ich war selbst lange Zeit Prakikant, hätte mir aber nie vorstellen können, so eine Antwort abzugeben. Wohl leider keine Ausnahme heutzutage… es fängt ja schon mit den merkwürdigsten Bewerbungen an…
    Ganz Liebe Grüße

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